Chronik
Aus der
Vereinsgeschichte
Zusammengestellt
nach Unterlagen von Ernst Fuchß, Helmut Oster und Ingo Escher
Wie den meisten
älteren Bürgern von Kirchberg noch bekannt sein dürfte, ging der
jetzige TuS aus zwei, genau genommen sogar aus drei Vereinen hervor:
dem
„Turnverein 1909 e.V.“
dem
“Ballspielverein 1919“
und dem nur
kurzlebigen „Sportverein Denzen.“
Vor allem die
beiden erstgenannten Vereine haben zu ihrer Zeit Großes geleistet.
Es würde den Rahmen dieser Chronik sprengen, wollte man dies im
Einzelnen belegen.
Die wichtigsten
Etappen im Leben dieser beiden Vereine seien jedoch hier
festgehalten.
Der Turnverein
Kirchberg wurde am 10.10.1909 in der Gastwirtschaft Heinrich
Engelbert gegründet.
Der erste Vorstand
setzte sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitztender: Jacob Heinrich Walter
2. Vorsitzender: Peter Neuls
1. Schriftwart: August Seibel
2. Schriftwart: Adolf Weinmann
Kassenwart: Georg Lorch
1. Turnwart: Oertel
2. Turnwart: Protsch
1. Zeugwart: Noll
2. Zeugwart: L. Gass
1. Beisitzer: Jakob Stiffenhofer und Willi Fuchß
Bereits zwei Monate
später zählte der Verein 103 Mitglieder, 1920 schon 200.
Als Vereinslokal
und Turnhalle zugleich diente die „Bellevue“ (Wirts). Nach dem 1.
Weltkrieg erlebte der junge Verein seine eigentliche Blütezeit.
Zunächst jedoch gab es Schwierigkeiten mit der französischen
Besatzungsmacht. Auch der Kirchberger Turnverein konnte und wollte
seine deutschnationalen Wurzeln nicht verbergen, wie aus dem
Leitspruch für das Bezirkswetturnen am 12./13. Juni 1920 hervorgeht:
„Deutsch zu denken, deutsch zu handeln, stets den graden Weg zu
wandeln, ist des Deutschen Bürgerpflicht. Dieses, Brüder, laßt uns
üben, nur das Deutsche laßt uns lieben, es ist gut, das Fremde
nicht!“
Die Reibereien mit
der französischen Besatzungsmacht führten zu Beginn des Jahres 1923
zur völligen Stilllegung des Turnbetriebes.
Ab Juni 1924 wurden
die Verbotsbestimmungen mehr und mehr aufgehoben und die
Vereinsarbeit konnte wieder aufleben.
Es begann nun die
Zeit der großen Turnfeste. Sie wurden teils in Kirchberg abgehalten,
teils schickte der Verein seine Riegen auf auswärtige
Veranstaltungen. Es war die eigentliche Blütezeit des Turnvereins.
Dazu stichwortartig
einige Daten:
07.-09. August
1926 4. Gauturnfest in Kirchberg mit 45 (!) teilnehmenden
Mannschaften.
01. Oktober
1927 Hindenburg Wett-Turnfest in Kirchberg
09./10. Juli
1932 90 Aktive des Turnvereins nehmen am Gauturnfest in
Simmern teil. Die Kirchberger Musterriege erkämpfte das Gaubanner am
Reck in der Besetzung: Jakob Weber, Fritz Fuchß, Willi Schlosser,
Ferdinand Aßmann, Jakob Schlosser, Walter Stroh, Otto Engelbert,
Willi Schwarz, Ferdinand Schmittinger und Willi Gass.
1933
103
Aktive nehmen am Gau- und Bergfest in Büchenbeuren teil.
1933
22
Aktive auf dem Deutschen Turnfest in Stuttgart. Meisterturner Jakob
Weber belegte im Zwölfkampf unter 1512 Wettkämpfern den 61. Platz.
Vorsitzender
während all dieser Jahre war Jacob Heinrich Walter. Am 5. Februar
1928 wurde die Anlegung eines Baufonds für den Bau einer Turnhalle
beschlossen. Nachdem die Stadt Kirchberg unter ihrem damaligen
Bürgermeister Dr. van Spankeren einen geeigneten Platz zur Verfügung
gestellt hatte, konnte mit dem Bau begonnen werden. Bei der
Grundsteinlegung am 25.08.1930 wurde ein Urkunde folgenden Inhalts
versenkt:
„Der Turnverein
1909 e.V., gegründet am 10.10.1909, erbaut dieses Haus im Jahre des
Heils 1930 als Pflegestätte des Körpers und Geistes, der
Kameradschaft und wahrhaft deutschen Gesinnung. Möge es diese
Aufgaben zum Nutzen des Einzelnen, zum Nutzen unseres deutschen
Vaterlandes und Volkes immerdar erfüllen können.“
Durch den
freiwilligen Einsatz vieler Aktiver und Inaktiver konnte der Bau
innerhalb eines Jahres fertig gestellt werden. Initiator und
treibende Kraft beim Bau war August Seibel. Die sogenannte
„Turnhallenweihe“ erfolgte am 13. September 1931.
Auf Antrag des
Vorstandes der Sportvereinigung 1919 Kirchberg-Denzen wurden die
beiden Kirchberger Vereine am 07. Mai 1935 vereinigt. Aus dieser
Verschmelzung ging der heutige Turn- und Sportverein e.V. 1909
hervor.
Die zuvor erwähnte
Sportvereinigung 1919 Kirchberg-Denzen war am 05. Juli 1919 als
„Ballspiel-Verein 1919 Kirchberg“ gegründet worden. Zur Gründung war
es gekommen, als heimgekehrte Kriegsteilnehmer, die als Solden das
Fußballspiel kennen und spielen gelernt hatten, beim damaligen
Turnverein keine Möglichkeiten erhielten, ihren neuen Sport
auszuüben.
Als erster Vorstand
wurden gewählt:
1. Vorsitzender: Otto Hanß
2. Vorsitzender: Reinhard Krauß
Schriftführer: Hugo Wolf
Beisitzer: Hugo Steil und Hugo Eich
Kassierer: Peter Beisiegel
Zeugwart: Rudolf Eich
13./14. Juni 1936
In Traben-Trabach konnten die Kirchberger Turnerinnen und
Turner fast in allen Klassen die ersten Plätze belegen.
1938
Eine
Turnerin nahm aktiv am Deutschen Turnfest in Breslau teil
1939 –
1945 Während des 2. Weltkrieges ruhte die ganze
Vereinstätigkeit. Die Turnhalle war zeitweilig mit Truppen belegt
und diente als Ausweichstelle für die Behörden.
Im 2. Weltkrieg sind 31 Vereinsmitglieder gefallen bzw. vermisst.
Als man nach
Kriegsende ein Wiederaufleben der Vereinstätigkeit versuchte, wurde
das Turnen von den Besatzungsmächten sofort verboten. Die 1922
angeschaffte Vereinsfahne wurde durch amerikanische Truppen
entwendet.
Die von der
französischen Militärregierung genehmigte Gründungsversammlung fand
am 20. Mai 1946 statt. 45 Personen trugen sich in das
Mitgliederverzeichnis ein. Der alte Vereinsname Turn- und
Sportverein e.V. 1909 durfte nicht mehr angenommen werden. Das
Turnen war wie nach dem 1. Weltkrieg von den Besatzungsmächten
verboten worden. Der unter Justizinspektor Hermann Schüller
gebildete vorläufige Vereinsausschuss unterrichtete die Anwesenden
über die Auflagen der französischen Militärregierung. Die Anwesenden
einigten sich auf den Namen „Verein für Leibesübungen in
Kirchberg/Hunsrück e.V.“
Die Vorstandswahl
ergab folgende Besetzung:
1. Vorsitzender: Hermann Schüller
2. Vorsitzender: Johannes Walter
Schriftführer: Otto König
Kassierer: Mathias Pies
Sportwart: Heinz Prinz
Techn. Beirat: Franz Klingels
Fachwarte:
Fußball: Heinrich Groh
Schwimmen: Hermann Heidersdorf
Tischtennis: Karl Schneider
Schach: Fritz Weber
Frauensport: Grete Rybinski
Jugendsport
für
Männer: Erich Holzer
Ein in
französischer Sprache erhaltener Bericht musste innerhalb 24 Stunden
durch Vermittlung des Landrates an die Militärregierung des Kreises
Simmern vorgelegt werden. Am 31. Mai 1946 übernahm der 2.
Vorsitzende, Johannes Walter, die Geschäfte des 1. Vorsitzenden,
Schüller.
Am 21. Januar 1948
wurde folgender Vorstand gewählt:
1. Vorsitzender: Franz Klingels
2. Vorsitzender: Philipp Schuch
Schriftführer Hans Braun
Kassierer: Mathias Pies
Techn. Beirat Ferdinand Klein
Fachwart: Jugendleiter Heinz Lorenz
Der Verein machte
es sich zur Aufgabe, soweit möglich, alle Ballspiele und Sportarten
zu pflegen. Damit trat er eindeutig als Konkurrent des Turnvereins
auf. Verhandlungen zwecks Vereinigung beider Vereine wurden zwar
geführt, jedoch ohne Erfolg.
Die erste
Kirchberger Fußballmannschaft spielte mit Hugo Steil im Tor, in der
Abwehr mit Gottfried Schmittinger, Heinrich Schneider und Rudi
Abels, im Mittelfeld mit Philipp Schlosser, Hugo Eich, Jakob Steil
und im Sturm mit Heini Abels, Paul Klein, Reinhard Krauß, Peter
Beisiegel, Rudolf Eich und Otto Hanß.
Außer Fußball
betrieb der Verein auch Schleuderball, Tauziehen und sogar
Leichtathletik. Hierbei tat sich besonders Peter Beisiegel mit
damals beachtlichen 11,6 Sekunden über 100 m und 6,30 m im
Weitsprung hervor.
Als Sportplatz
diente eine Wiese an der Sohrener Straße, die der Verein gepachtet
hatte.
Der 1920 gegründete
Sportverein Denzen vereinigte sich später mit dem B.S.V.1919
Kirchberg. Als neuen Namen wählte man „Sportvereinigung
Kirchberg-Denzen.“
Eine große Zahl von
Pokalen zeugte von den Erfolgen dieser Sportvereinigung; sie gingen
leider im 2. Weltkrieg verloren.
Nach der
Generalversammlung am 28.01.1933 gehörten dem Vorstand an:
Geschäftsführender
Vorstand:
1. Vorsitzender: Jacob Heinrich Walter
2. Vorsitzender: Dr. Hans Schneider
Oberturnwart: August Seibel
1. Kassenwart: Georg Lorch
2. Kassenwart: Fritz Götz
1. Schriftwart: Ernst Fuchß
2. Schriftwart: Heinrich Weinmann
1. Turnwart: Jakob Weber
2. Turnwart: Fritz Fuchß
Beisitzer: Willi Walter
Fachwarte:
David Hammen
Turnerinnen
Ferdinand Schmittinger
Willi Kastner
Jugendturnen
Grete Rybinski
Schülerinnen
Fritz Hoppstädter
Fritz Fuchß
Altersturnen
Karl Schüler
1. Zeugwart
Ferdinand Aßmann 2. Zeugwart
Jakob Schlosser
Fahnenträger
Otto Engelbert
Ferdinand Aßmann 2. Fahnenjunker
Am 28./29. Dezember
1935 wurde die Deutsche Turnerschaft in den Reichsbund für
Leibesübungen eingegliedert.
Bei den Kreis- und
Unterkreisfesten 1935 in Kastellaun errang der TuS Kirchberg zum
zweiten Male das Hunsrückbanner. In der 4 x 100 m Staffel wurden die
Turner Kreismeister.
Der Verein hatte 97
Aktive. 2 Fußballmannschaften für Senioren, 1 Fußballmannschaft für
Junioren, 1 Fußballmannschaft für Schüler und 5
Tischtennis-Mannschaften.
Der VfL zählte 136
Mitglieder.
Die allgemeine
Vereinstätigkeit lebte erst auf, als Turnbruder David Hammen zum 1.
Vorsitzenden gewählt wurde. Unter seiner persönlichen Leitung wurde
der Sportplatz an der Dickenschieder Straße planiert und ausgebaut.
Hatte man 1946, um
das lange Turnverbot in der französischen Besatzungszone zu umgehen,
einen „Verein für Leibesübungen“ gegründet, so nahm man am
16.12.1951 den Traditionsnamen „Turn- und Sportverein e.V. 1909“
wieder an. Gleichzeitig wurde Erich Best zum 1. Vorsitzenden
gewählt.
Auch die
sportlichen Leistungen konnten sich bald wieder sehen lassen. Vom
12.-14. Juni 1954 fand das Gauturnfest des Hunsrückgaus in
Verbindung mit dem 45jährigen Bestehen des Vereins in Kirchberg
statt. Die 1. Fußballmannschaft schaffte 1952 mit folgender
Mannschaft den Aufstieg in die Amateurliga, in der sie sich bis 1958
behauptete: Erich Fuchß, Paul Kollmann, Willi Lang, Gerhard
Rockenbach, Theo Lamby, Hans Zimmer, Siegfried Grand, Richard Erz,
Walter Klos, Dieter Friese, Hermann Stock, Josef Schneider und Rolf Steil.
In den Jahren nach
dem Aufstieg stießen zu der Mannschaft: Alfons Beermann, Schuster,
Hans-Werner Kleid, Alfons und Herbert Beitz, Harald Heiles, Herbert
Zimmer, Alfons Schuhmann und Werner Knichel.
Ab 1959 pendelte
die 1. Mannschaft -bedingt durch Klassenneueinteilung sowie durch
Auf- und Abstieg- zwischen Amateurliga, A-Klasse und 1. Kreisklasse
hin und her. Ihren Tiefpunkt erreicht sie 1975 mit dem Abstieg in
die 2. Kreisklasse.
Neben der
Fußballabteilung war eine zahlenmäßig zwar wesentlich kleinere,
dafür aber umso leistungsstärkere Tischtennisabteilung entstanden.
Seit 1952 in der Landesliga, stieß die 1. Mannschaft 1967 in die 2.
Liga Südwest vor. Diesen Aufstieg schafften: Egon Schwickert, Klaus
Schmittinger, Ralf und Reiner Heckler, Lothar Weiand und Wolfgang
Reuland.
Als der spätere
mehrfache Deutsche Meister und Nationalspieler Klaus Schmittinger
zum Bundesligisten Eintracht Frankfurt überwechselte, nahm man die
Mannschaft in die Rheinlandliga zurück, in der sie auch heute noch
spielt. Ihr dienstältester Spieler, Egon Schwickert, konnte bis 1975
19-mal den Titel des Kreismeisters erringen.
Unter dem neuen
Vorstand und seinem Vorsitzenden Ingo Escher wurde am 04.09.1972 die
alte Turnhalle „Auf der Schied“ an die Stadt Kirchberg verkauft; sie
war 1960 zu einer Art „Stadthalle“ umgebaut worden. Der gesamte
Hallensportbetrieb spielte sich seitdem in den neuerrichteten
Schulturnhallen ab. Gleichzeitig wurde der TuS Kirchberg Eigentümer
des Sportplatzes an der Dickenschieder Straße. 1972 wurde die
Platzumrandung erneuert und 1973 eine leistungsstarke
Flutlichtanlage errichtet.
Nachdem am
02.08.1974 mit dem Bau des neuen Vereinshauses begonnen worden war,
konnte am 07. Juni 1975 das alte Behelfsgebäude abgerissen und am
21. Juni 1975 das neue Vereinshaus eingeweiht werden.
Die Vorsitzenden
des Vereins von damals bis heute im Überblick
ab 1909 Jacob Heinrich Walter
von 1935-1945 Dr. Schneider
ab 20.05.1946 Hermann Schüller
ab 31.05.1946 Johannes Walter
ab 09.04.1947 Franz Klingels
ab 11.12.1948 Otto König
ab 24.05.1949 David Hammen
ab 13.09.1951 Heinrich Frey
ab 15.12.1951 Erich Best
ab 20.12.1956 Willi Weirich
ab 24.07.1958 Franz Weber
ab 16.02.1959 Werner Wöllstein
ab 18.01.1971 Ingo Escher
ab 1990 Manfred Jakoby