Taekwondo-Team ist Vize-Europameister

Am 20.09.2008 war es endlich soweit, nach monatelangem harten Training reisten die Taekwondo-Sportler des TuS Kirchberg nach Dinslaken, um erstmals ihr Können auf Europaebene unter Beweis zu stellen. Anders als im bekannten Turnierablauf, starteten die Technik-Wettbewerbe an diesem Tag relativ spät, so dass die mentale Rolle der Athleten, auf Grund des langen Zeitrahmens, eine überaus wichtige Rolle spielte. Es war gegen ca. 15.00 Uhr; die Sportler waren bereits seit 06.00 auf den Beinen; als der erste Starter des TuS Kirchberg, nämlich Sascha Sigmund in seiner Klasse Herren 18 – 29 Jahre an den Start ging. Die Konkurrenz legte einiges an Punkten vor, vor allem die gefürchteten polnischen Karate-Formenläufer, die immer eine überzeugende Darstellung bieten. Sascha Sigmund, der in dieser Saison bereits einen süddeutschen- und deutschen Vizemeistertitel nach Kirchberg bringen konnte, lies das wohl kalt. Mit einer starken Vorführung seiner Taekwondo-Form in Verbindung mit sauberer und harter Technikübersetzung, gewann er souverän die Klasse der Herren bis 29 Jahre. Nun ging es relativ zügig mit den Ausspielungen der Klassen weiter.

In der Klasse weibliche Jugend bis 12 Jahre konnte das Team 4 Sportlerinnen stellen. Als erste ging hier auch direkt Anna Bergemann an den Start. Sauber präsentierte sie den Kampfrichtern ihre Taekwondo-Form. Da sie als erste Starterin in dieser Klasse an dem Tag aktiv wurde, legte sie natürlich somit ein Punktelevel für die nächsten Starterinnen ihrer Klasse fest, somit galt abzuwarten, wie fit denn die Konkurrenz an dem Tag sein würde. Nach Anna folgte nun Jina Asefi, die erst siebenjährige überzeugte die Jury durch eine fehlerfreie und nahezu perfekte Ausführung ihrer Taekwondo-Form so sehr, dass sie sich direkt vor ihrer Teamkollegin Anna Bergemann platzieren konnte. Nach Jina Asefi startete Jenny Popfand vom Team Wittgenstein, bekannt als starke Formenläuferin zog sie ihr Programm knallhart und gewohnt souverän durch und landete punktmäßig vor Jina. Jetzt richteten sich alle Augen auf die restlichen 2 TuS-Sportlerinnen, Nicole Alles und Nina Meister. Was werden sie noch bei dieser starken Jugendklasse aus sich raus holen können, munkelte man im Team, dass die Zeit während der Formenläufe am Rande der Kampffläche verbrachte und schwer miteiferte.

Als nun endlich Nicole Alles vom TuS Kirchberg an den Start gehen durfte, stieg die Nervosität im gesamten Team. Auch Nicole Alles konnte in der bisherigen Saison schon einiges an Erfolgen einholen. Zuletzt platzierte sie sich auf dem 3. Platz bei den deutschen Meisterschaften. Da müsste doch was „drinnen sein" dachte sich Cheftrainer Dennis Sigmund und beobachtete ganz genau die Formendarbietung von Nicole. Mit einer technisch sauberen und kraftvollen Taekwondomeister-Form, zeigte sie der Konkurrenz deutlich, dass sie eine der Topjugendläuferinnen im Formenbereich der E.T.F (European Taekwondo Federation) ist. Mit mehr als 1,0 Punkten Abstand zur Gegnerin aus Wittgenstein, holte sie den 2 Europameistertitel an diesem Tag nach Kirchberg auf den Hunsrück. Nina Meister konnte dann allerdings nicht mehr an ihre gewohnte Leistung anknüpfen, platzierte sich aber dennoch auf einem guten 5. Platz.

Direkt im Anschluss starteten Jenny Meister und Nicole Finsterle in der Klasse der weiblichen Jugend im Alter von 13 – 17 Jahren. Jennifer, die eher eine durchwachsende Saison durchlaufen hat, ging als 3. an den Start. Mit etwas Skepsis betrachtete Cheftrainer Dennis Sigmund diesen Formenlauf, aber bereits in der Anfangsphase ihrer Form, die sehr dominant wirkte, bewies sie ihrem Trainer Dennis Sigmund einmal mehr, dass er mit seiner Skepsis völlig daneben liegt. Mit voller Kraft und harten Techniken, setzte sie sich mit einer sehr guten Punktzahl an die Spitze. Wieder hieß es abwarten und schauen, was die Konkurrenz so zu bieten hat, zu der auch die Teamkollegin, zumindest in den Einzeldisziplinen, Nicole Finsterle gehörte. Die „fremde" Konkurrenz landete hinter Jennifer. Wieder blieb abzuwarten, welche Leistung wohl Nicole Finsterle an diesem Tag aufrufen könnte – könnte es vielleicht ein Doppelsieg der Kirchberger in dieser Klasse geben? Nicole Finsterle ging an den Start, motiviert und mit voller Überzeugung setzte sie alles in ihre Taekwondo-Form. Jennifer musste kurze Zeit um ihre errungene Platzierung bangen, doch da, ein Patzer von Nicole Finsterle im Ablauf ihrer Form … es war geschafft, Jennifer Meister somit die nächste Sportlerin an diesem Tag, die einen Europameistertitel nach Kirchberg bringen konnte.

Nach den Jugendklassen wartete nun die Königsklasse, in der auch Dr. M. Asefi startete, auf einen neuen Europameister. In dieser Klasse, muss man zugeben, beherrschte allerdings wieder nur ein Mann das Geschehen. Ioannis Lerakis von den Blue Sharks aus Wiesbaden, der übrigens mehrfacher nationaler und internationaler Formenmeister ist, zeigte der Konkurrenz klar die Grenzen auf. Er hob sich mit gut 4,0 Punkten von den Kontrahenten ab. Aber auch neben Ioannis Lerakis, war diese Klasse mit namhaften Titelträgern besetzt, die es für den TuS Sportler Dr. Asefi natürlich noch einmal schwerer machten. Das Endresultat dieser Klasse lautete aus Sicht des Doktors Platz 4, was in dieser Klasse in keiner Weise eine Schande ist.

Nach den Einzeldisziplinen waren nun noch die Teamdisziplinen und der Bereich Artistik Bruchtest auszuspielen, in der die Kirchberger ebenfalls 4 Teams aus dem Stamm stellen konnten. Mit 2 Vize-Europameistertiteln in den Disziplinen Formen Teamkampf und Formen Synchron konnten Dr. M. Asefi, Sascha Sigmund, Nicole Alles und Anna Bergemann nochmals ihre Topform an diesem Tag aufrufen und sammelten weitere Punkte für die am Abend noch anstehende Vereinswertung. In der Disziplin Formen Family machten beiden Kirchberger-Teams Familie Asefi und Familie Finsterle die Platzierung unter sich aus. Endresultat lautete hier: Familie Asefi Platz 1, Familie Finsterle Platz 2.

Zum Schluss konnte Dr. M. Asefi das Gesamtergebnis in der Disziplin Artistik Bruchtest für die Kirchberger nochmal noch oben „puschen". Mit einer guten Wertung hieß es am Ende auch hier: „The next European Champion goes to Kirchberg".

Es war ca. 21.00 Uhr, als das Taekwondo-Team, das übrigens den Namen TKD Team Ying Sheng trägt, ihre Disziplinen komplett absolviert hatte. So blieb auch mal Zeit neben dem mentalen Stress, sich das Turnier aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Viel Schmuck, Fahnen, Banner, leuchtende Pokalpodeste lassen viele Sportler an solch einem Tag, in eine Art Paradies versetzen – was auch sehr schön ist, denn wenn man so manch andere übliche Halle vergleicht, möchte man manchmal einfach nur schnell weg, zurück nach Hause. Aber genau das ist es, was die E.T.F = European Taekwondo Federation rund um das Managerpaar Gilbert und Dorothea Kapkowski ausmacht. Mit viel Geschick und Fingerspitzengefühl werden aus wahrlichen „Baracken" tatsächlich kleine Paradiese gezaubert; da muss einfach das Sportlerherz noch einmal höher schlagen. Ein Grund mehr, warum man sich als TKD Team Ying Sheng für den Beitritt in diesem Verband entschieden hat.

Jetzt aber Schluss mit der kleinen Reise und schnell zurück in die Köpfe der Sportler. Da die Veranstaltung das Ende gegen ca. 23.30 Uhr fand, war man natürlich sehr auf die Teamwertung gespannt. Jeder kalkulierte schon einmal die erreichten Platzierungen im Kopf zusammen, in der Teamwertung werden erste Plätze mit 7, zweite Plätze mit 5 und dritte Plätze mit 3 Punkten gewertet, die Plätze 4 – 6 erhalten jeweils mit 2 Punkten. Man dachte sich, so schlecht war man ja heute garnicht, könnte also was mit der Teamwertung werden. Bei solchen Events werden auch die Trostplätze 4 – 6 in der Teamwertung bekannt gegeben, diese die Kirchberger in dieser Saison bereits einige Male belegten.

Das ETF-Turniermanagement begann mit der Verkündung der Plätze. Platz 6, nein, der ging schon mal nicht nach Kirchberg, Platz 5, nein, auch nicht, Platz 4, ebenfalls nicht, das Team wurde auf einmal ganz unruhig auf ihren Sitzplätzen, Platz 3, nein, auch nicht, der ging an das Team nach Hemer. Wieder, totale Nervosität im Team, Platz 3 hatte man nämlich 3 Monate zuvor auf den deutschen Meisterschaften erringen können … wurde dieses Ergebnis etwa nochmal getoppt – und das ohne die aktive sportliche Teilnahme des Cheftrainers? Platz 2 – die Spannung stieg – geht nach Kirchberg an das TKD Team Ying Sheng – bei dieser Verkündung hielt es keinen mehr auf den Sitzen, das gesamte Team jubelte und rannte auf das Siegerpodest um den Säulenpokal in Empfang zu nehmen.

Als dann Platz 1 auch noch an das befreundete Team Blue Sharks Wiesbaden ging, die beiden Trainer Ioannis Lerakis und Gregor Bär trainierten mit Dennis Sigmund in früheren Zeiten zusammen bei Großmeister Peter Gerber in Wiesbaden, konnte sich wirklich keiner mehr eine lange Nacht vorstellen.

Für das Team rund um Cheftrainer Dennis Sigmund geht an diesem Tag ein Traum in Erfüllung, den bis jetzt noch keiner so wirklich realisiert hat.

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